Ein Praxisleitfaden für alle, die Unternehmensberater werden wollen – ohne dich zum Kaltakquise-Roboter zu machen.
Wenn Du neu in die Beratung startest, ist Akquise das Thema, das Du am liebsten aufschiebst. Wie den Anruf beim Zahnarzt. Oder die Buchhaltung. Oder beides zusammen. Dabei brauchst Du keine Magie – nur einen funktionierenden Prozess.
Akquise ist kein Talent. Es ist auch kein „Poste täglich, dann klappt’s schon“-Mantra. Es ist ein Prozess. Und Prozesse kann man lernen, messen und verbessern. In diesem Artikel zeigen wir Dir, wo Du als Berater/in realistisch Kund/innen findest – und wie daraus planbar Aufträge werden.
1) Vorher klären: Wen genau willst Du als Kunden/in?
Das wichtigste ist am Anfang ist die Definition deiner Zielgruppe. Klingt vielleicht banal, spart Dir aber Monate voller sinnloser Arbeit. Finde heraus, wen du ansprechen möchtest, wer dein zukünftiger Kundenstamm sein soll.
Ebenso wichtig: Überlege woher du kommst, welche Fähigkeiten du mitbringst, wen du bisher schon überzeugen konntest und wo deine zukünftige Nische liegen soll.
Viele angehende Berater/innen starten mit „Ich berate Unternehmen“ – und wundern sich, dass niemand anruft. Unternehmen kaufen nicht „Beratung“, sondern eine Lösung für ein konkretes Problem. Sie kaufen dich, weil du etwas mitbringst, das für konkrete Lösungen sorgt.
Hier kommt eine einfache Schärfungsformel:
- Branche & Zielgruppe erkennen (z. B. Handwerksbetriebe ab 10 Mitarbeitenden in Deiner Region)
- Problemstellungen eingrenzen (z. B. zu wenig planbare Aufträge, zu hohe Nacharbeit, Chaos im Vertrieb)
- Ziele & Ergebnisse definieren (z. B. bessere Marge, saubere Prozesse, mehr Zeit der Inhaber/innen)
Ein Praxisbeispiel: Ein ehemaliger Teamleiter aus der Logistik verkauft nicht „Prozessberatung“, sondern „Durchlaufzeiten senken und Fehlteile reduzieren – ohne neue Software einzuführen“.
Das ist Akquise-Hygiene. Und ohne diese wird alles teurer.
2) Diese 6 Akquise-Orte, die in der Praxis funktionieren
Wir können Akquise im Kern als Marktzugang bezeichnen. Und Marktzugang bekommst Du selten über einen Kanal, sondern über eine sinnvolle Mischung mehrerer Kanäle.
1. Ort: Dein bestehendes Netzwerk
Dein bestehendes Netzwerk ist die beste Fundgrube für deinen Erfolg. Hier gibt es Kontakte die dich schon kennen und positiv von dir überzeugt sind. Der Einstieg ist somit leicht und erfolgsversprechend.
Wichtig dabei ist, dass dein Netzwerk kein „Ich schreib mal alle an“-Verteiler ist.
Vielmehr solltest du so vorgehen:
- Liste von 20–40 Kontakten (Ex-Kolleg/innen, Kund/innen aus früheren Rollen, Lieferant/innen, Banker/innen, Steuerberater/innen, Coaches)
- Schreib keinen Pitch, sondern eine konkrete Bitte: „Kennst Du 1–2 Unternehmen, die gerade mit Thema X kämpfen?“
- Fasse nach ca. 7 Tagen freundlich nach
Warum das wirkt: Menschen können empfehlen, wenn sie wissen, wen Du suchst und wobei Du hilfst.
2. Ort: LinkedIn
Betrachte LinkedIn nicht als reiner Ort, Wissen und Erfahrung zu teilen, sondern als Gesprächsraum. Steige mit ein und lass dich darauf ein, mit zu diskutieren. Dabei zählt deine echte Stimme, nicht etwas maschinelles oder vorgefertigtes. Sei dabei und überzeuge andere von dir.
Was wir bei unseren erfolgreichen Berater/innen sehen:
- 1 Fokus-Thema für 4–6 Wochen (z. B. „Vertriebsprozess für Dienstleister“)
- 2–3 Posts pro Woche, jeweils mit einem konkreten Problem + kurzer Lösung + Mini-Beispiel
- 10–15 Kommentare pro Tag bei Zielkund/innen oder Multiplikator/innen (nicht bei „Motivationsposts“, sondern bei echten Business-Themen)
Wichtig: LinkedIn bringt Leads, wenn Deine Inhalte entscheidungsrelevant sind. Das heißt: weniger Mindset, mehr „So sieht ein sauberes Erstgespräch aus“.
3. Ort: Multiplikator/innen (Steuerberater/innen, Kanzleien, Agenturen, IT, Banken)
Multiplikator/innen sind oft der Hebel, der aus Akquise „planbar“ macht.
So baust Du das auf:
- Suche 10 passende Partner/innen in Deiner Region oder Nische
- Biete einen klaren Deal: „Ich helfe Deinen Mandant/innen bei X, Du bekommst Feedback/Co-Content/Weiterempfehlungen“
- Mach es leicht, Dich zu empfehlen: 1 Seite „Für wen wir helfen / wann es passt / wann nicht“
Was erstmal wie Klinkenputzen klingt, ist eher Vertriebsarchitektur.
4. Ort: Branchenveranstaltungen, Verbände & lokale IHKs
Gerade für IHK Unternehmensberater sind Netzwerke und andere Verbände der ideale Nährboden für neue Kontakte. Schaue nach lokale Terminen, dort echte Kontakte zu treffen ist oft der schnellste Türöffner.
Taktik:
- Vermeide schlichtes “Visitenkarten sammeln”
- Geh hin, um 3 gute Gespräche zu führen
- Stell Fragen, die echte Probleme öffnen: „Was ist dieses Jahr teurer geworden – Zeit, Material oder Fehlentscheidungen?“
Wenn Du danach eine saubere Nachfass-Mail schickst (mit 2 Zeilen Zusammenfassung + einem konkreten nächsten Schritt), zeigst du Verantwortungsbewusstsein. Und dass du es ernst meinst.
Tipp: Auf ki-transformationsmanager-ihk.de/branchen-events-kalender-veranstaltungen/ findest du immer die aktuellsten Events in deiner Nähe.
5. Ort: Google/Website
Um SEO kommen wir alle nicht mehr herum. Aber SEO ist kein Schnellschuss, sondern dein Asset. Mache dich mit den Grundregeln vertraut und hole dann professionelle Unterstützung dazu. Auch hier beginnt die Reise bei der Definition deiner Zielgruppe.
Startpunkt:
- 3 Leistungsseiten (klarer Nutzen, Zielgruppe, Ablauf)
- 5–8 Artikel, die echte Suchfragen beantworten (z. B. „Beratervertrag: worauf achten?“, „SWOT richtig nutzen“, „Fallbeispiele“)
- Ein Lead-Magnet, der wirklich hilft (z. B. „Erstgespräch-Checkliste“)
Wenn Du das 3 Monate durchziehst, wird aus „Hoffentlich kommt was“ langsam „Da kommt regelmäßig was“. Auch das Thema GEO (Optimierung für das Gefunden werden in der KI Suche) ist inzwischen immer wichtiger geworden und sollte mit beachtet werden.
6. Ort: Bestandskund/innen
Oft unterschätzt – die schon gute Beziehung zu bestehenden Kunden. Du hast schon tolle Arbeit abgeliefert und andere von dir überzeugt – hier setzt du an. Wenn Du schon 1–2 Kund/innen hast, liegt der nächste Auftrag meist dort.
Gute Praxis:
- Projektabschluss mit Nachbereitung: Was hat sich verbessert, was bleibt offen? (das schafft Vertrauen)
- Ein konkretes Anschlussangebot: „Wollen wir das in 4 Wochen stabilisieren?“
- Bitte um Empfehlung: „Wen kennst Du, der vor ähnlichen Problemen steht?“
3) Wie Akquise planbar wird: Pipeline statt Bauchgefühl
Viele Berater/innen scheitern nicht an ihrer Kompetenz, sondern an der fehlenden Pipeline. Nutze dafür bewährte Tools und Methoden. Mache dich mit den Tools vertraut, um sie sicher und effizient zu nutzen.
Wir empfehlen (simpel, aber wirksam):
- Wöchentlich 2 Stunden Akquise-Zeit blocken (fix im Kalender)
- 3 Kennzahlen tracken:
- neue Gespräche (z. B. 3/Woche)
- Angebote (z. B. 2/Woche)
- Abschlüsse (z. B. 1/Woche oder 1/Monat)
- Tool auswählen – z.B. Pipedrive oder Brevo (deutsche sichere Alternative)
Und klar: Du wirst nicht jede Woche abschließen, aber Du kannst jede Woche die Voraussetzungen dafür schaffen.
4) Der Ablauf, der in Erstgesprächen wirklich funktioniert
Das Erstgespräch zeigt deinen Kund/innen wer du eigentlich bist und warum du ideal für den Fall eingesetzt werden solltest. Warum nutzt du das nicht direkt, um deine Fachlichkeit zu betonen. Starte direkt mit einer Diagnose.
Ein bewährter Ablauf:
- Ziel klären: „Was muss in 8–12 Wochen anders sein, damit es sich gelohnt hat?“
- Ist-Stand: Zahlen, Prozesse, Engpässe – so konkret wie möglich
- Kosten des Problems: Zeit, Geld, Nerven (ja, Nerven sind betriebswirtschaftlich relevant)
- Optionen: 2–3 Wege, inkl. Risiken
- Nächster Schritt: Mini-Workshop / Angebot / zweite Runde mit Entscheider/innen
Wenn Du das konsequent machst, wirkst Du automatisch „beraterisch“ – nicht verkäuferisch.
5) Häufige Akquise-Fehler
Vermeide die folgenden oft gemachten Fehler, damit Du sie dir sparst und die gewonnen Zeit für das richtige investierst.
- Zu breit starten („Beratung für alle und alles“) und dann im Markt verschwinden
- Zu früh über Methoden reden (Kund/innen kaufen Ergebnisse, nicht Tools)
- Zu wenig nachfassen (die meisten Aufträge sterben nicht am Nein, sondern am Funkloch)
- Kein Angebot (nur „lass mal sprechen“ – ohne nächsten Schritt)
Fazit
Kund/innenakquise als Berater/in ist kein Glück.
Wenn Du Deine Zielgruppe klar formulierst, die richtigen Orte bespielst und eine Pipeline führst, wird Akquise vom Stressfaktor zum Routineprozess.
Wenn du das nicht allein zusammenstückeln willst: In unserer Unternehmensberatung Weiterbildung baust du Positionierung, Erstgespräch-Logik und Pipeline als System auf.
Mehr Infos zu unseren 5-Tage-Kompaktkursen findest Du hier: https://ki-transformationsmanager-ihk.de/unternehmensberater-ihk-lehrgang/

